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Wohin mit dem Arschgeweih? Bundesregierung plant die Entfernung von Tattoos zu reglementieren

Man war zu jung, zu betrunken oder zu verliebt: Ein Tattoo, vor längerer Zeit gestochen, wird nicht mehr gewollt. Bekanntermaßen ist das Entfernen eines Tattoos lang nicht so einfach und so preiswert, wie das Stechen desselben. Dennoch, wird der Leidensdruck zu groß, wendet man sich eben an eine der Firmen, die es anbieten, Tattoos mittels Laser wegzuzaubern.

„Die Großväter der Zukunft heißen Marvin oder Kevin und sind ganzkörpertätowiert.“ So in etwa kann man es auf den Punkt bringen. Denn was vor rund 20 Jahren noch undenkbar war, ist im Jahr 2018 Realität. Laut einer Studie der Uni Leipzig hat jeder fünfte Deutsche ein Tattoo. Die höchste Quote haben Frauen zwischen 25 und 34 Jahren. Hier ist es die Hälfte, die sich für eine Körperbemalung entschieden haben. https://www.uni-leipzig.de/service/kommunikation/medienredaktion/nachrichten.html?ifab_modus=detail&ifab_id=7419

Alles kein Thema, wenn der Träger oder die Trägerin mit dem Ergebnis rundum zufrieden ist. Was aber, wenn nicht? Die Lösung heißt bis jetzt: Weglasern lassen. Aber hier möchte der Gesetzgeber jetzt einen Riegel vorschieben.

Ein echtes Geschäftsmodell

Ron ist 42 Jahre alt und bietet mit seinem Unternehmen genau das an. Er entfernt unerwünschte Tattoos mit einem Rubinlaser. „Eigentlich ist das ganze vor ein paar Jahren durch Zufall entstanden. Meine Mutter hat einen Beauty-Salon und immer wieder kamen Kundinnen, die sich über ihre Tattoo-Jugendsünden beschwert haben.“ Eher aus Neugierde hat sich Ron dann an den PC gesetzt und recherchiert.

„Ich war echt überrascht. Denn eigentlich hatte ich gedacht, dass man eine spezielle Ausbildung für eine Tatto-Entfernung braucht. Stimmt aber nicht.“ So wie Ron geht es vielen. Denn das Einzige, was man bisher braucht, um Tattoos zu entfernen, ist ein entsprechendes Gerät. Wenn man es professionell anbieten möchte, benötigt man noch einen Gewerbeschein und eine Bestätigung vom Gesundheitsamt. Dass man mit dem Laser umgehen kann, muss man nicht unter Beweis stellen.

 

Laser nur in berufener Hand – aus gutem Grund

Denn klar ist: Geräte, mit denen man Tattoos entfernt sind alles andere als ungefährlich. Der Laser dringt in die Haut ein und zerstört die Farbpigmente, die dann entweder durch das Lymphsystem abgetragen werden und zusammen mit der Kruste, die sich bildet, dann verschwinden. Dem Bundesumweltministerium ist das, kombiniert mit der Strahlenbelastung zu heikel und hat deshalb einen Gesetzesentwurf eingebracht, nachdem nur noch Hautärzte, und plastische und ästhetische Chirurgen diese Behandlungen – aber auch solche wie das Entfernen von Permanent-MakeUp – durchführen dürfen. Möglich ist auch eine Behandlung durch speziell geschultes Fachpersonal im Beisein der Ärzte. Die Begründung dafür liegt laut Ministerium in Umfragen und Erhebungen, die zeigten, dass die Fälle, in denen es zu nach der Behandlung zu Komplikationen, wie etwa Verbnarbungen, gekommen ist nach und nach steigen. Diese Zahlen in Kombination mit der bereits genannten Strahlenbelastung haben das Ministerium zu diesem Schritt bewogen.

Nicht aller Tage Abend

Ron sieht das Ganze eher gelassen. „Erstens wollte ich nicht den Rest meines Lebens damit verbringen, Tattoos zu entfernen und zweitens weiß man ja aus Erfahrung, dass die Mühlen in Berlin langsam malen. Es wird sicher noch ein bisschen dauern.“ Und bis dahin wird Ron weiterhin Jugendsünden von der Haut seiner Kunden löschen. Mit einem Laser und viel praktischer Erfahrung – aber ohne medizinische Ausbildung.

Ausbildung durch den Hersteller

Da es Ron aber doch zu gefährlich gewesen wäre, einfach „loszulasern“ hat er sich für eine Ausbildung entschieden, die viele in Anspruch nehmen. „Normalerweise bieten die Hersteller der Geräte parallel Seminare und Workshops an, in denen man lernt, auf was man achten muss.“ Das erste lebende Objekt, das Ron dann behandelte, war sein bester Kumpel. „Das war fast schon ein Klassiker. Auf dem Unterarm hatte er ein viel zu schiefes, hässliches Herz. Das habe ich dann weggemacht.“ Mit der Zeit kam die Routine und inzwischen behandelt Ron bis rund 15 Kunden in der Woche.  Je nach Art des Tattoos ist dessen Entfernung nach 3-5 oder nach 6-12 Laser-Behandlungen erledigt. Damit könnte aber – wenn es nach dem Bundesumweltministerium geht – bald Schluss ein.

 

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One comment

  1. […] des Strahlenschutzrechts kommt. Und damit war Berlin schneller als es unser Protagonist im Artikel „Wohin mit dem Arschgeweih?“ sich hatte träumen […]