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Krebs durch Implantate?

Krebs durch Implantate?
Wie groß ist die Gefahr bei texturierten Brustimplantaten?

 

ALCL – vier Buchstaben, die im März 2017 für Aufsehen sorgten. Denn zu diesem Zeitpunkt veröffentlichte die US-Gesundheitsbehörde FDA einen amtlichen Hinweis: Bei 359 Frauen mit Brustimplantaten wurde ALCL festgestellt. Die Abkürzung steht für „anaplastisch-großzelliges Lymphom“, also eine bösartige Erkrankung des Lymphgewebes. Für Aufsehen bei den Medizinern sorgte die vergleichsweise kleine Zahl von Fällen vor allem deshalb, weil die Erkrankung eigentlich vorwiegend bei Kindern und Jugendlichen und da besonders eher bei Jungen als bei Mädchen festgestellt wird. Die Frage war also: Kann man zwischen Brustimplantaten und einer ALCL-Diagnose einen Zusammenhang feststellen?

 

Zahlen, die zu Fragen führen
Um es vorweg zu nehmen: Eine wirklich zuverlässige Antwort gibt es auf diese Frage nicht. Denn einerseits sind die Fallzahlen zu gering, um eine wirklich pauschale Aussage treffen zu können. Das entsprechende Formular, das an die FDA gesendet werden konnte, wurde nicht nur von Ärzten, sondern auch von Herstellern und Patientinnen selbstausgefüllt. Das bedeutet, dass hier auch Fälle beinhaltet sind, bei denen lediglich der Verdacht auf ALCL bestand, aber nicht zwingend eine Erkrankung vorliegen musste.
Andererseits wurde bei der Untersuchung der Fälle eine weitere Frage aufgeworfen: Inwieweit hängt die Beschaffenheit der Implantate mit einer eventuellen Erkrankung zusammen? Denn die Forscher hatten festgestellt, dass bei den Fällen, bei denen sie auch Informationen über die Oberflächenbeschaffenheit der Implantate hatten, ein klarer Trend zu erkennen war:
Von insgesamt 231 Fällen hatten lediglich 28 der Implantate eine glatte Oberfläche. Die restlichen 203 waren textuiert. Die daraus abgeleitete Vermutung: Implantate mit einer textuierten Oberfläche könnten das Risiko auf eine ALCL-Diagnose verzehnfachen.

 

Mit Vorsicht zu genießen
Da die Forschung in diesem Bereich noch in den Kinderschuhen steckt und die Fallzahlen – wie erwähnt – alles andere als repräsentativ sind, sind auch alle Äußerungen und Theorien, die sich hieraus ergeben mit größter Vorsicht zu genießen. Rein wissenschaftlich betrachtet gibt es schlichtweg nicht genug Daten, um wirkliche Rückschlüsse zu ziehen. Allein in den USA werden jährlich rund 550.000 Brustimplantate eingesetzt. Der Anteil textuierter Implantate liegt hier bei rund 13%.
Aber andererseits werden weltweit jährlich ca. 1.400 ALCL-Fälle bei Patientinnen diagnostiziert. Auch die WHO ist auf die Zahlen aufmerksam geworden und hat im Jahr 2016 das erste Mal BIA-ALCL als eigenständiges Krankheitsbild identifiziert. Diese Abkürzung steht für „BreastImplant Associated ALCL“, also eine ALCL-Erkrankung, die mit einem Brustimplantat in Verbindung gebracht werden kann.

 

Im Auge behalten
Wie in solchen Fällen immer, gibt es also einiges, was für eine solche Theorie und mindestens genauso viel, was dagegenspricht. Fakt ist aber: Seit dem Jahr 1962 werden in den Vereinigten Staaten Brustimplantate aus Silikon eingesetzt und erst jetzt, über 50 Jahre später, tauchen erste Fallzahlen auf. Zahlen, von denen die FDA selbst sagt, dass sie keine verlässliche Aussage zulassen. Aber sie rufen vor allem die Ärzte und Hersteller von Brustimplantaten auf, in den nächsten Jahren das Phänomen ALCL kritisch zu beobachten und alle diagnostizierten Fälle zu melden. Denn eine höhere Sicherheit bei den Zahlen könnte auch dazu führen, dass man feststellt: Zwischen Brustimplantaten und einer ALCL-Erkrankung besteht kein Zusammenhang.

 

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