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Botox – das mystische Gift

Auch wenn Botox inzwischen fast jedermann bzw. jederfrau ein Begriff ist, muss man sich doch immer wieder wundern, dass es gerade bei denjenigen, die sich für eine solche Behandlung entscheiden, große Wissenslücken darüber gibt, was sie sich da verabreichen lassen. Den Botulinumtoxin A ist nichts anderes als eines der tödlichsten Nervengifte, die es weltweit gibt. Insofern ist ein wenig Wissen darüber aus unserer Sicht durchaus angebracht.

Die Menge eines Salzkorns reicht aus
Das Gift des Bakteriums Clostridium botulinum ist so hoch toxisch, dass man mit der Menge eines Salzkorns problemlos 500.000 Menschen töten kann. Oder anders: Zwölf Gramm Botox in Reinstform vernichtet 6,6 Milliarden Menschen – also die Weltbevölkerung.

Entdeckt und isoliert wurde es von dem belgischen Bakteriologen Emile van Ermengem im Jahr 1896. Er stieß darauf, als er einen Schinken untersuchte, der für den Tod von drei Menschen verantwortlich war. Da sich das Gift besonders gut in sauerstoffarmer Umgebung vermehrt – wie zum Beispiel in Wurst-, Fleisch- oder Fischkonserven, wurde es auch anfangs „Wurstgift“ genannt (botulus = lat. für Wurst). Aus dieser Zeit stammt auch die bis heute gültige Regel, dass man von Konservendosen, bei denen sich der Deckel wölbt, auf jeden Fall die Finger lassen sollte. Grund dafür könnte dieses Nervengift sein.

Wer nun geglaubt hat, dass wegen Botox heute nicht mehr gestorben wird, der irrt. Nach Angaben des Vereins „Ärzte gegen Tierversuche“ müssen alleine in Europa jedes Jahr rund eine halbe Million Labormäuse ihr Leben aufgrund von Botoxversuchen lassen. Zu Recht fragt man sich an dieser Stelle: Sind Tierversuche für Kosmetika in der EU nicht seit 2004 verboten? Sind sie. Aber Botox gilt als Medikament und deshalb greift dieses Verbot hier nicht. Und dieser medikamentöse Einsatz ist es auch, der uns dahin zurückbringt, wofür Botox eigentlich bekannt ist: Als Behandlung gegen Falten.

Das Lahmlegen von Nervenfasern
Im Wesentlichen bewirkt eine Botoxbehandlung nichts anderes, als dass die Verbindung zwischen Nervenzelle und Muskelfaser lahmgelegt wird. Botox greift direkt die Nervenfasern an und verhindert, dass der Botenstoff Acetylcholin freigesetzt wird, der wiederum dafür sorgt, dass ein Muskel sich zum Beispiel zusammenzieht. Fällt dieser Botenstoff weg, fällt die Übertragung weg und der Muskel erlahmt. Die Haut, die sich oberhalb der Muskelpartie befindet wirft nun keine Falten mehr, weil der Muskel selbst sich ja nicht mehr bewegt. Ein Effekt, den Mediziner nicht nur bei der Faltenbeseitigung einsetzen, sondern auch zur Bekämpfung von chronischer Migräne nutzen, bei schmerzhaften Muskelverspannungen oder zur Stilllegung von Schweißdrüsen. Je nach Behandlung hält der Effekt von Botox mehrere Wochen oder Monate an, lässt er nach, dann wirft die Haut wieder Falten.

Keine Partys!
Wie schon erwähnt, handelt es sich bei Botox um ein Medikament und das bedeutet: Nur Ärzte oder Heilpraktiker dürfen dieses verabreichen. Das führt unweigerlich zu dem Schluss, dass man die „Botox-Party“, die gerne einmal von Kosmetikerinnen, Friseurinnen oder der besten Freundin angeboten wird, nicht besuchen sollte – jedenfalls nicht, um sich dort Botox spritzen zu lassen. Diese Partys sind schlicht und ergreifend illegal – ohne Ausnahme. Und selbst Ärzte stehen unter strenger Beobachtung. So entzog das Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen erst im Jahr 2017 einem Zahnarzt die Approbation, weil seine Patientinnen wiederholt mit Botox und Hyaluron im Gesicht behandelt hatte.
Natürlich ist Botox vom Fachmann oder der Fachfrau gezielt eingesetzt ein bewährtes Mittel gegen Faltenbildung. Dennoch sollte man immer im Hinterkopf haben, dass es nun einmal ein Nervengift ist, das für ein jüngeres, strafferes Aussehen sorgt.

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